Unesco

Dolomiten: UNESCO Welterbe

Die Anerkennung als UNESCO Welterbe

Am 26. Juni 2009 sind die Dolomiten aufgrund ihrer Schönheit, ihrer landschaftlichen Einzigartigkeit sowie ihrer geologischen und geomorphologischen Bedeutung in die Welterbeliste eingetragen worden. Gemäß der Welterbekonvention der UNESCO sollen weltweit Natur- und Kulturgüter von universaler Bedeutung als Erbe der gesamten Menschheit erhalten werden. Die Eintragung der Dolomiten ist somit eine außergewöhnlich hohe Anerkennung, mit der aber auch eine große Verpflichtung und Verantwortung für den Schutz und die nachhaltige Entwicklung dieser Bergregion verbunden ist.
Neun ihrer Berggruppen sind mit der Eintragung in die Welterbeliste der UNESCO als Zeugen eines weltweit einzigartigen Berggebietes anerkannt worden. Sie umfassen zwar kein zusammenhängendes Gebiet, stellen aber doch ein einheitliches Ganzes und somit ein „serielles Welterbegut“ dar. Wir sind stolz auf diese Anerkennung und möchten Ihnen mit dieser Publikation die Dolomitenlandschaft vorstellen - ihre außerordentliche natürliche Schönheit und ästhetische Bedeutung sowie ihren Wert für die Erdwissenschaften.
Jahrelang haben die zuständigen Stellen unserer Provinzen am Erreichen des Zieles „Welterbe“ gearbeitet, wissenschaftlich unterstützt wurden sie dabei von Fachleuten in den Bereichen Geologie, Geomorphologie und Landschaft. Die Beratungen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene haben wesentlich dazu beigetragen, gemeinsame Ziele und Führungsgrundsätze zu entwickeln.
Dieses partnerschaftliche Vorgehen während der Bewerbungsphase wird auch die Führung des UNESCO Welterbes Dolomiten kennzeichnen: Eigens zu diesem Zweck gründen die Provinz Belluno mit der Region Veneto, die Provinzen Pordenone und Udine mit der Autonomen Region Friaul-JulischVenetien sowie die Autonome Provinz Bozen-Südtirol und die Autonome Provinz Trient eine Stiftung.
Sie wird Garant dafür sein, dass das Welterbegut in Übereinstimmung mit den UNESCO-Kriterien geschützt, aufgewertet und gefördert wird. Um die landschaftlichen und naturkundlichen Werte der Dolomiten zu erhalten, bedarf es des Einsatzes aller. Einheimischen, Gästen und Freunden dieser Bergwelt muss die Einzigartigkeit dieser Landschaft noch stärker bewusst werden. Sie alle sind davon zu überzeugen, dass das Ziel eines respektvollen Umgangs mit dem Welterbegut nur über gemeinsame, von allen geteilte Grundsätze erreicht werden kann.
Die Dolomiten sind nicht nur naturkundlich wertvoll, sie sind auch wesentlich für die Identitätsbildung der dort lebenden Menschen. Das hat sich während der verschiedenen Phasen der Antragstellung – eingeleitet im Dezember 2004 vom italienischen Staat und betreut von den fünf Provinzen Belluno mit der Region Veneto, Pordenone und Udine mit der Region Friaul-Julisch-Venetien, Bozen und Trient – immer stärker herauskristallisiert.

Die UNESCO hat diese Bergwelt aufgrund ihres geologischen und landschaftlichen Werts als einzigartig anerkannt, als tiefen und lebendigen Ausdruck der Identität des Gebietes und der engen Beziehung zwischen Mensch und Umwelt. Denn neben natürlichen Faktoren haben menschliche Arbeit und Bräuche diese Landschaft im Lauf der Jahrhunderte geprägt. Deshalb bietet die Anerkennung als Welterbe die Chance, gemeinsam ein auf der Idee „identitätsstiftende Berge“ gründendes Projekt zur nachhaltigen Entwicklung der Dolomiten zu lancieren.

Ein Projekt, das die Beteiligung aller sicherstellt, weil es sich durch Eigenschaften auszeichnet, die auch die in den Bergen lebenden Menschen haben: den Sinn für die Grenzen des Machbaren und den Wunsch nach Aufwertung des Gebietes samt seiner Kulturen. Alles in allem ist die Eintragung der Dolomiten als Welterbe eine großartige Gelegenheit, sich mit verschiedenen, die Berge betreffenden Aspekten und der – auch kulturellen – Eigenheit des Dolomitengebietes zu befassen. Allen Themen ist mit neuem Bewusstsein und Führungsverantwortung zu begegnen, will man die von der UNESCO anerkannten universalen Werte bewahren.

Was bedeutet die Eintragung in die Welterbeliste?

Ein in die Welterbeliste eingetragenes Gut besitzt vor allem einen „außergewöhnlichen universalen Wert“, ist also besonders repräsentativ für die kulturellen und natürlichen Reichtümer unseres Planeten. Es ist somit nicht nur von herausragender Bedeutung für das Land, in dem es sich befindet, sondern für die ganze Menschheit. Die in der Welterbeliste eingetragenen Güter werden ausgewählt, um als die weltweit besten Zeugnisse des kulturellen und natürlichen Erbes für zukünftige Generationen bewahrt zu werden. Das ist das Ziel des Übereinkommens zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt (UNESCO 1972), das bis heute von 186 Ländern unterzeichnet wurde. Länder mit Welterbestätten gewinnen an Ansehen und Prestige und dies fördert ihr Verantwortungsgefühl für die anvertrauten Stätten. Außerdem müssen Welterbegüter eine Führungsstrategie besitzen, in der Maßnahmen für ihre Bewahrung samt entsprechender Kontrollmechanismen formuliert sind, deren Wirksamkeit mittels dreijährlicher Überprüfungsberichte überwacht wird.

Warum ist die Eintragung der Dolomiten in die Welterbeliste wichtig?

Die Eintragung ist das Ergebnis einer strengen, weltweiten Auswahl. Damit werden nicht nur die Einzigartigkeit und der außergewöhnliche universale Wert der geologisch-geomorphologischen und ästhetischlandschaftlichen Aspekte der Dolomiten anerkannt, sondern auch, dass diese Werte angemessen repräsentativ und geschützt sind. Die für den Erhalt dieser universalen Werte zuständigen Institutionen sind damit nicht mehr nur ihrer eigenen Bevölkerung gegenüber verantwortlich, sondern der ganzen Menschheit. Dies wird das Bewusstsein für die eigene Stellung im globalen Kontext verändern und dazu anregen, bergspezifische Themen (kulturelle Eigenheit, landschaftliche und geologische Bedeutung, nachhaltige Entwicklung und Tourismus) neu und offen zu überdenken.

Warum ein serielles Gut?

Die Dolomiten sind als serielles Gut in die Welterbeliste eingetragen, da sie trotz der räumlich-landschaftlichen und geologisch-geomorphologischen Aufgliederung und Komplexität ein einheitliches Ganzes bilden. Die als Welterbe anerkannten Dolomiten-Systeme sind eine ausgewählte Formation geologischer und landschaftlicher Besonderheiten. Sie sind außergewöhnlich repräsentativ, verfügen über hohe Schutzstatus und sind durch ein Netz entwicklungsgeschichtlicher und ästhetischer Beziehungen miteinander verbunden.

Eine der von der UNESCO geforderten Voraussetzungen für die Anerkennung war das Vorhandensein klarer Unterschutzstellungen und Schutzbestimmungen. Deshalb war es nicht möglich, einige unter geologischen und landschaftlichen Aspekten beispielhafte Bergstöcke, wie den Sellastock oder die Langkofelgruppe, einzubeziehen. Die neun Dolomitengruppen, die diesen außerordentlichen „fossilen Archipel“ bilden, umfassen eine Fläche von rund 142.000 Hektar. Sie verteilen sich auf fünf Provinzen (Belluno, Bozen, Pordenone, Trient, Udine), in denen vier verschiedene, offiziell anerkannte Sprachen gesprochen werden: italienisch, deutsch, ladinisch und friulanisch. Aufgrund ihrer historischen Entwicklung besitzen die Provinzen unterschiedliche institutionelle und verwaltungspolitische Rahmenbedingungen.
„Die Dolomiten gelten als eine der imposantesten Berglandschaften weltweit. Ihre Schönheit gründet im Wesentlichen auf einer spektakulären Formenvielfalt. Gipfel, Pfeiler und Türme sowie Hochebenen mit Felsvorsprüngen, Zacken und Plateaus erheben sich steil über ausgedehnte Geröllablagerungen und sanfte Hügel. Die große Farbenvielfalt ergibt sich aus dem Kontrast zwischen den bleichen Felswänden und den darunter liegenden Wäldern und Wiesen. Die Berge weisen auch hohe Gipfel mit Schluchten auf; mancherorts stehen die Gipfel alleine da, mancherorts bilden sie Massive, die für atemberaubende Panoramen sorgen. Einige Felstürme erreichen über 1500 m Höhe und gehören zu den höchsten Dolomitfelswänden der Welt. Die unverkennbare Szenerie der Dolomiten gilt als Archetypus der „Dolomiten-Landschaft“ schlechthin. Geologen waren die ersten, die von der Schönheit dieser Bergmassive angelockt wurden. Ihre Schriften, Gemälde und Bilder unterstreichen die ästhetische Anziehungskraft dieser Berge.“ „Die Dolomiten sind auch unter dem Gesichtspunkt der Geomorphologie von internationaler Bedeutung, weil sie als klassische Stätte für die Gebirgsentstehung in Dolomitgebieten gelten.

Das gesamte Gebiet weist unterschiedlichste Landschaftsformen auf, die das Produkt von Verwitterung, Tektonik und Vergletscherung sind. Die Anzahl und Konzentration unterschiedlichster Kalkformationen, zu denen Türme, Pfeiler und einige der weltweit höchsten Felswände gehören, sind einzigartig im globalen Kontext. Von internationaler Bedeutung sind vor allem die mesozoischen Karbonatplattformen bzw. fossilen Riff-Atolle, insbesondere in Bezug auf die Entwicklung von Rifforganismen nach der Perm-Trias-Grenze und die Erhaltung der Geometrien zwischen Riffbauten und der sie umgebenden, tiefen Meeresbecken. Darüber hinaus befinden sich in den Dolomiten auch wichtige Abschnitte der Trias, deren Bedeutung international anerkannt ist. Die wissenschaftliche Bedeutung der Stätte belegen weiters die lange Geschichte ihrer Erforschung und ihre Anerkennung auf internationaler Ebene. Zusammengenommen begründen die geomorphologischen und geologischen Werte eine Naturstätte von globaler Bedeutung.“

Führungsstrategie

Die zukünftige Führung des Welterbegutes wurde während der Kandidatur eingehend diskutiert. Die Institutionen (Provinzen und Regionen) haben gemeinsam an der Eintragung der Dolomiten in die Welterbeliste der UNESCO gearbeitet. Dabei ging es nicht nur darum, das Gebiet trotz geografischer, geologisch-geomorphologischer und landschaftlicher Besonderheiten als „Einheit“ zu präsentieren: Unter Berücksichtigung der Zuständigkeiten und verwaltungsmäßigen Eigenständigkeit jeder Provinz war es auch notwendig, eine gemeinsame, möglichst gut abgestimmte Strategie zur Führung des Welterbegutes zu entwickeln.
Deshalb haben die Provinzen und Regionen die Stiftung „Dolomiti-Dolomiten-Dolomites-Dolomitis UNESCO“ gegründet. Ihre Aufgabe ist es, eine aufeinander abgestimmte Führung und Entwicklung des Welterbegutes zu gewährleisten. Sie ist Ansprechpartner für das Welterbekomitee und somit Garant dafür, dass die Führung des gesamten Welterbegebietes auf die Bewahrung der von der UNESCO anerkannten universalen Werte ausgerichtet ist. Zu diesem Zweck muss die Stiftung dem Welterbekomitee dreijährlich einen Bericht über den Erhaltungszustand vorlegen. Die Führungsstrategie des Welterbegutes Dolomiten konzentriert sich auf drei Bereiche: Bewahrung, Kommunikation und In-Wert-Setzung. Sie sind die Grundlage für die Managementpläne der einzelnen Provinzen und Regionen.
Die Hauptthemen sind demnach:

– Bewahrung der Landschaft und der geologischen Werte
– naturverträgliche Nutzung und Besucherlenkung besonders für jene Gebiete, in denen die touristische Nutzung die Grenzen der Belastbarkeit erreicht oder überschritten hat;
– Kommunikation, Information und Ausbildung hinsichtlich der Werte des Welterbegutes;
– nachhaltige Entwicklung, Umweltbildung und Forschung.

Alle Aktivitäten im Welterbegebiet müssen auf diese Ziele ausgerichtet sein. Durch die Führungsstrategie soll ein Netzwerk zwischen allen beteiligten Behörden und Organisationen in den einzelnen Systemen des Welterbegutes Dolomiten geschaffen werden. Das ist unverzichtbar, will man die Effizienz und Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen und damit die Bewahrung der ästhetisch-landschaftlichen und geologisch-geomorphologischen Werte der Dolomiten gewährleisten.
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